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Christen und Gaming? II

Nach einer längeren Pause melde ich mich wieder zu den Auswertungen aus meiner Umfrage zum Thema des Onlinegamings. In diesem zweiten Teil fokussiere ich mich auf die Auswertung der jeweiligen Ansprechpersonen und welche Unterschiede es in diesem Bereich gibt und wie diese interpretiert werden können.

Die Antwortmöglichkeiten zum Austausch bei Problemen mit einem (möglichen) problematischen Onlinegaming Verhalten waren: Gute(r) Freund(in); Freund(in); Eltern; Grosseltern; Lehrer; Pfarrer; Anonym via Hotline; Online oder keinen Austausch. Es wurde aber auch die Möglichkeit gegeben eine weitere Angabe zu machen. So kamen nebst den erwähnten Austauschpartnern noch Folgende Ansprechpersonen hinzu: Geschwister; Mentor(in); Gott/Jesus; Seelsorger; Selbsthilfegruppe. Zu der weiten, selbstgewählten Gruppe werde ich im zweiten Teil etwas dazu sagen.

Zunächst möchte ich mit dem Totalen Ergebnis beginnen, bevor ich in die Einzelnen Ebenen eintauche. Die höchste Punktzahl beläuft sich auf 5 Punkte, also z.B. (4.5/5) und wird der Folgenden nicht mehr explizit erwähnt. Im Schnitt ist der Austausch mit einer (möglichen) Problematik mit der Freundin oder dem Freund am höchsten (4.2), dicht gefolgt von dem guten Freund oder der guten Freundin (4.12). Diese beiden Plätze sind in allen Auswertungen auf Platz 1 oder 2. Auf Platz drei folgt der Pfarrer (2.72), noch vor den eigenen Eltern (2.6). Was mich wirklich ins Nach-denken brachte war aber der Fakt, der letzten beiden Plätze. So war das Ergebnis, dass sich jene die an dieser Umfrage teilgenommen haben und diesen Bereich ausgefüllt haben, eher niemandem davon erzählen würden (1.6), als dass sie es den eigenen Grosseltern (1.32) erzählen würden.
Haben wir denn das Gefühl, dass sie unsere Problematik in der einige sich darin befinden nicht wahrnehmen können oder sie keine Ahnung davon haben? Sieht es bei einer gleichen Statistik in 10-20 Jahren noch gleich aus oder verändert sich dieses Bild?

Danke Robert Koorenny für dieses Bild.
Ich hoffe, dass wir mit unseren Ansprechpartnern eine Einheit entwickeln dürfen und uns die Wahrheit benennen und bekennen dürfen.
Frauen wählten (ab Platz 3) bei der Umfrage zunächst die Eltern (2.57) und den anonymen Anruf via Hotline (2.57). Als weitere Punkte waren es Punktegleich eine Pfarrperson (2.28) oder mit Niemandem darüber zu reden (2.28). Männer hingegen wählten (ab Platz 3) zunächst den Pfarrer (2.88) bevor es auf Platz vier zu den Eltern (2.61) und den Online-Freunden (2.61) kam.

Ich sehe ein Potential für die Pfarrpersonen, dass sie da sind um den Betroffenen, wie auch den Angehörigen und Freunden zuzuhören, aufgrund ihrer oft aussenstehenden Position. Deshalb können sie einen Einfluss haben, bei dem es aber aus meiner Sicht wichtig ist, dass sie sich mit den Grundzügen von Onlinegaming befassen und was die Faszination für diese Welt sein könnte. Was also dahinter stecken mag. Ebenso sollten die Eltern ein offenes Ohr haben, gegebenfalls auch nachfragen und sich mit der Thematik auseinandersetzen, da die meisten Personen aus dieser Umfrage gesagt hatten, dass sie im Alter zwischen 10-19 mit dem Onlinegaming begonnen hatten (diese Statistik erfolgt im nächsten Beitrag) und diese Problematik in den nächsten Jahren noch zunehmen wird.

Vielen Dank an Carolyn V für dieses Bild.

Bei den Verheirateten und den Ledigen ergab sich ein ähnliches Bild.
So wenden sich die Ledigen (ab Platz 3) an die Pfarrperson (2.94) und Eltern (2.94) zugleich und später dann an die Onlinefreunde (2.41). Die Verheirateten wenden sich (ab Platz 3) zunächst an die Pfarrperson (2.25) und erst in einem späteren Verlauf an die Eltern (1.87) und an die Onlinefreunde (1.87) zugleich.

Auch jene die aus der Stadt kommen wählen zunächst (ab Platz 3) die Pfarrperson (2.92) und die eigenen Eltern (2.92) als Ansprechpersonen, bevor sie dann aber die Problematik für sich behalten und Niemandem (2.69) etwas sagen würden. Für jene die auf dem Land wohnen wählten (ab Platz 3) zunächst die Eltern (2.77) und im Anschluss die Pfarrperson (2.44).

Jene die „Freikirchlich“ erzogen wurden sehen ihre Ansprechspersonen (ab Platz 3) zunächst bei den eigenen Eltern (2.66), gefolgt von den Onlinefreunden (2.6) und der Pfarrperson (2.53).
Jene die „Evangelisch“ erzogen wurden sehen ihre Ansprechspersonen (ab Platz 3) bei den Eltern (2.88) und der Pfarrperson (2.88) zugleich.
Jene die „Katholisch“ erzogen wurden sehen ihre Ansprechspersonen (ab Platz 3) zunächst bei der Pfarrperson (3.66), gefolgt von den Eltern (2.33) oder aber mit Niemandem (2.33) darüber auszutaschen.
Jene die nicht im christlichen Glauben erzogen wurden, würden zunächst (ab Platz 3) mit Niemandem (3) darüber reden wollen, bevor sie eine Pfarrperson (2.5) aufsuchen würden.

Nun komme ich noch zum zweiten Teil, der Auswertung der selbstgewählten Antwortmöglichkeiten, bevor ich ein Fazit ziehe und das ausgewertete Blatt anfüge.

Bei den selbstgewählten Antwortmöglichkeiten gehe von der höchsten Relevanz zur niederigsten. Dazu gehören dass sich sehr viele Menschen auch bei einem Mentor oder einer Mentorin sich anvertrauen würden (5/5), gefolgt von dem Gebet an Gott und/oder Jesus Christus (4/5) und den Geschwistern (3/5). Auch wurden Seelsorger und Selbsthilfegruppen erwähnt, diese jedoch nur mit jeweils 1/5.

Mein persönliches Fazit:
Menschen die in eine Sucht des Onlinegamings geraten erhoffen sich, wohl insgeheim, immer wieder, dass sie Hilfe von Aussen erhalten. In dieser Auswertung ist zum Tragen gekommen, dass sich viele Menschen an ihre beste Freundin / ihren besten Freund oder an ihre(n) Freund(in) wenden würden.
Danach würden aber viele derjenigen die an dieser Umfrage teilgenommen haben, sich an ihre Eltern und oder an eine Pfarrperson wenden, ebenso an eine Mentorin oder an einen Mentor. Es ist für mich von entscheidender Wichtigkeit, dass gerade diese Menschen, Eltern, Pfarrpersonen oder auch Mentorinnen und Mentoren, ein offenes Ohr für diese Problematik entwickeln, denn oftmals beginnt es zwar damit „dass sie einfach ein wenig mehr spielen“, was aber auch zu einer Problematik bis hin zu einer Sucht führen kann.
Der Betroffene gibt nicht von jetzt auf gleich auf, erhofft sich wohl auch Hilfe von göttlicher Seite und da möchte ich jede Person dazu ermutigen, auch mal zu Hinterfragen, was den die Faszination an einem solchen Spiel ist und warum es gespielt wird, was sich die Person damit erhofft und was vielleicht auch hinter dieser Sucht steckt, denn eine Sucht ist nur ein Symptom. Die Betroffene Person versucht in der Sucht etwas zu finden, das er/sie sich durch dieses Spiel erhofft (wenn es in einem späteren Verlauf mehr Platz im eigenen Leben einnimmt).

Von Sebastian

2010 - 2015: Ausbildung zum dipl. Pflegefachmann
2018 - heute: Ausbildung zum Pastor am ISTL
2020 - heute: Praktkum beim David Dienst
2020 - heute: Aufbau "i-free"

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