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Haben wir ein Problem?

Ich muss ein Geständnis ablegen:
Ich bin ein Millennial.
Falls du noch nie von uns gehört hast: Wir sind diejenigen, die gegen die Klimakrise demonstrieren und uns abends von unseren Eltern im SUV abholen lassen. Wir sind die Sorgenkinder der älteren Gläubigen, die feststellen, wie «geprägt» die Jungen sind: vom Relativismus unserer Zeit, der keine absoluten Wahrheiten kennt; von der Gender-Ideologie, die immer mehr Anerkennung findet; von der Reizüberflutung, die mit der Digitalisierung einhergeht. Wir sind die, die die alten, bedeutungsvollen Hymnen der Kirchengeschichte verlernt und sie gegen Poplieder ausgetauscht haben.

Ich habe immer versucht, dem unliebsamen Image entgegenzuwirken. Bei Andachten mit älteren Gläubigen war ich stolz, wenn ich die genannten Verse mindestens so schnell aufschlagen konnte wie sie – ein gemeinhin anerkanntes Zeichen für Bibelwissen. In der Jugendgruppe hörte ich zweimal hin: Konnten die Leute noch tiefgründige Gespräche führen, solche, in denen die Dinge beim Namen genannt würden – oder war da nur noch (mit Anglizismen übersäter) Smalltalk?
Aber meine Karriere als Vorzeige-Millennial versank in Stirnrunzeln und peinlichem Schweigen, als ich auf die Erzählung eines älteren Kollegen hin begeistert nickte: „Ich kann relaten!“

Vielleicht ist es wahr und wir haben die Werte, die lange Zeit zentral waren, hinter uns gelassen. Wo einst Saat- und Ernteperioden den Rhythmus des Lebens vorgaben, erwarten wir nun sofortige Befriedigung. Ist das Päckli heute bestellt, wird es morgen geliefert. Wird uns eine Verpflichtung zu anstrengend – und das passiert bei uns, sagt man, besonders schnell –, suchen wir etwas Neues. Und wenn wir dennoch Erfolge erleben, inszenieren wir diese digital. Wir folgen weder strikt einer einzigen Kirchendoktrin noch den Traditionen unserer Kultur; der einzige Imperativsatz, den wir hören mögen, ist: „Tu, was für dich stimmt!“

Was passiert, wenn Millennials das Evangelium hören? Eine Verheissung, deren vollständige Erfüllung erst noch kommt. An der man jedoch nur teilhaben kann, wenn man jetzt schon, im Unsichtbaren, auf sie setzt. Samen des Glaubens, die ins Verborgene des Herzens gesät werden, bewässert durch Tränen des Loslassens: Wer sein Leben mitsamt seinen Bedürfnissen Jesus zu Füssen legt, wer allen Widerständen zum Trotz an Ihm festhält, auf den wartet unendliche Freude.

Die Frage ist: Sind wir noch fähig, diesen Weg zu gehen?

Eine Idee zu “Haben wir ein Problem?

  1. Noemi sagt:

    Ich bin auch ein Millennial. Man merkt, dass das Millennial-Leben ohne Gott, bald nicht mehr erfüllt, es ist oft nur eine Frage der Zeit, bei jedem Einzelnen von uns. Wir glauben auch an die Sehnsucht die Gott in unsere Herzen gibt, eine Sehnsucht nach der Wahrheit. Und wenn wir diese erkannt haben und der Weg langsam klarer wird, dürfen wir das Hamsterrad der Zeit verlassen und Ihm folgen. Wir sind schliesslich nicht alleine die Gehen, sondern Gott geht uns voran! Die Errettung haben wir gratis erhalten und angenommen, aber die Nachfolge Jesu verlangt von uns ALLES! Also Ja können wir, wenn wir auch gewillt sind, Gott weiterhin in unser Leben sprechen zu lassen und ihm zu folgen, mit voller Hingabe, ohne sich noch an etwas festzuklammern das scheinbar „Sicherheit/Spass“ verspricht.

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