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Zurück zum „Normal“?

Viele Kirchen öffnen in diesen Tagen wieder ihre Tür und Tore für ihre Besucher. Es ist wieder möglich sich in der Gemeinde zu treffen. Viele (Kirch-) Gemeinden wollen wieder zurück zum «Normalen». Aber warum eigentlich? Gibt es vielleicht sogar ein «besser als davor»? Ein «besser als normal»?

Das mag jetzt sehr herausfordernd klingen, aber ich höre momentan von vielen Christen, wie sie ein bisschen in einer Glaubenskrise stecken. Grund dafür sei, dass ihr ritueller wöchentlicher Kirchengang ausblieb und sie so nicht mehr so oft mit ihrem eigenen Glauben in Berührung kamen. Es scheint mir fast so, dass einige Christen ihren Glauben auf den Sonntag reduziert hatten, als eine Art; ‘in dieser «Gruppe» geht es um Gott, darum glaube ich da auch’. Dieser kam in den letzten Monaten natürlich nicht mehr so stark zum Zug. Ihre persönliche Beziehung zu Gott zeigt sich so gut wie nicht mehr. Ich glaube, diese Aussage wird einige herausfordern, denn sie ist sehr unbequem. Für mich ist es jedoch erschreckend, wie viele ‘westliche’ Christen nur einen oberflächlichen Glauben haben!

Was sagt die Bibel dazu?

Ich glaube wir dürfen besser aus dieser «Krise» herauskommen, als wir hineingegangen sind. Aber wie? Lasst uns wieder einmal einen Blick in die Bibel werfen, zur berühmten Stelle der ersten Gemeinde der Christen, nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus. Mal sehen, ob wir davon etwas für die Zukunft lernen können. Dieses «Kirchen-Model» war für die damalige Zeit auf jeden Fall so «erfolgreich», dass in Kürze, das weltweit grösste Movement entstand:

«(42) Was das Leben der Christen prägte, waren die Lehre, in der die Apostel sie unterwiesen, ihr Zusammenhalt in gegenseitiger Liebe und Hilfsbereitschaft, das Mahl des Herrn und das Gebet. (43) Jedermann ´in Jerusalem` war von einer tiefen Ehrfurcht vor Gott ergriffen, und durch die Apostel geschahen zahlreiche Wunder und viele außergewöhnliche Dinge. (44) Alle, die ´an Jesus` glaubten, hielten fest zusammen und teilten alles miteinander, was sie besaßen. (45) Sie verkauften sogar Grundstücke und sonstigen Besitz und verteilten den Erlös entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen an alle, die in Not waren. (46) Einmütig und mit großer Treue kamen sie Tag für Tag im Tempel zusammen. Außerdem trafen sie sich täglich in ihren Häusern, um miteinander zu essen und das Mahl des Herrn zu feiern, und ihre Zusammenkünfte waren von überschwänglicher Freude und aufrichtiger Herzlichkeit geprägt. (47) Sie priesen Gott ´bei allem, was sie taten,` und standen beim ganzen Volk in hohem Ansehen. Und jeden Tag rettete der Herr weitere Menschen, sodass die Gemeinde immer größer wurde.»
– Apostelgeschichte 2,42-47 (NGÜ)

Was in den Zusammenkünften geschah

1. Predigt: Die Apostel wussten mehr, weil sie schon einige Zeit mit Jesus unterwegs waren, darum konnten sie andere unterweisen. Wer waren die Apostel? Es waren Jünger Jesu. Ursprünglich waren die meisten dieser Apostel jedoch nicht Gelehrte Leute, sondern einfache Fischer. Ein wichtiges Kennzeichen dabei war, dass sie vom Heiligen Geist erfüllt waren. PS: Es waren mehrere Leute, nicht nur ein Hauptprediger.
2. Das Mal des Herrn: Damit ist höchst wahrscheinlich das Abendmahl, in Zusammenhang mit einer Mahlzeit gemeint.
3. Sie preisen Gott: Das griechische Wort, das hier für Preisen steht, ist aineo und bedeutet zu preisen und zu singen. Dies taten sie bei allem was sie taten. Das heisst; in der Gemeinde und auch ausserhalb.

Die Gemeinde war also von Predigt, dem Abendmahl und von Lobpreis geprägt. Ich denke, dies ist bei den meisten Gemeinden so (ausser dem Fakt, dass sie sich jeden Tag trafen).

Was die Christen auszeichnete

1. Ihr Zusammenhalt.
2. Ihre Liebe zueinander.
3. Ihre Hilfsbereitschaft.
4. Zahlreiche Wunder und aussergewöhnliche Dinge (durch die Apostel): Die Christen waren für ihren übernatürlichen Gott bekannt, was Nicht-Christen in Ehrfurcht brachte.
5. Sie teilten alles was sie besassen miteinander.
6. Sie sorgten sich für die Bedürftigen und die in Not waren.
7. Ihre Treue: Sie kamen an die Treffen der Gemeinde
8. Sie trafen sich täglich im Tempel der Juden, weil sie selbst keinen Versammlungsort hatten und nochmals täglich in ihren Häusern.
9. Ihr überschwängliche Freude: Jesus nachzufolgen ist eine grosse Freude.
10. Ihre Herzlichkeit.
11. Sie standen beim ganzen Volk in hohem Ansehen, nicht weil dies ihr Ziel war, sondern weil es die natürliche Reaktion des Volkes war.
12. Jeden Tag rettete Gott weitere Menschen.

Zusammengefasst waren die Christen für ihren Zusammenhalt, ihre Liebe, Freude und Hilfe füreinander bekannt. Sie wurde von Gott durch übernatürliche Wunder und Errettungen von Menschen bestätigt, sodass sie beim Volk in grossem Ansehen standen.

Gruppe vs. persönlicher Glaube

Ich weiss nicht, wie es dir geht, wenn du diese Bibelstelle liest. Mich fordert es definitiv heraus. Ich sehe aber auch, dass der Glaube am einfachsten in einer Gruppe ausgelebt werden kann, die sich täglich trifft (wie in dieser Bibelstelle). Jetzt war dies, die vergangen Monate nicht möglich. In diesem Fall kommt es auf unseren persönlichen Glauben, ohne Gruppe an. Ich glaube fest, dass wir Wege finden sollten, diesen im «neuen Normal» mehr zu stärken, damit Christen nicht von den Sonntagen und den (sorry für diesen Ausdruck:) vorgekauten Bibelstellen des Predigers abhängig sind. Vielmehr sollten Christen lernen, wie sie selbst die Bibel lesen, als «Nahrung» aufnehme und ihren persönlichen Glauben praktisch ausleben können (vgl. Jakobus 2,26).

Mit diesem Text möchte ich also nicht sagen, dass man die Kirche verlassen und eine Home-Church gründen solle, weil da der Glaube besser ausgelebt werden kann, die Home-Church der Jünger war ja über 3’000 Leute gross…. Auch nicht, dass die Kirche alles falsch macht, denn wir: Du und ich, sind die Kirche (vgl. Epheser 2,19-22).

Deine Meinung ist gefragt

Wie kann deiner Meinung nach, dein persönlicher Glaube wachsen, auch wenn es nicht möglich ist, einander in der Kirche zu treffen?
Schreibt es doch in die Kommentare.

Meine persönliche Meinung

Ich persönlich sehe Jüngerschaft, nach dem Vorbild von Jesus, als Schlüssel darin: In 3 Leute hat Er sich sehr fest investiert. In 12 hatte Er sich fest investiert und in 70-72 hat er sich einfach investiert. Aus wenigen «Wirkungsjahren» bereitete Es so, das weltweite grösste Movement vor. Auch hat Jesus an jedem beliebigen Ort Jüngerschaft ausgelebt. Wenn jeder persönlich Verantwortung übernehmen würde, dass der Glaube von 3 Leuten permanent wachsen kann und für sie da ist, würden dann unser Glaube nicht viel solider sein?

Wenn du mehr über Jüngerschaft nach dem Vorbild Jesu lernen möchtest, empfehle ich dir wärmstens: Knowing Him (MyCall Ministry von Campus für Christus).

Zusammengefasst

Der Gruppen-Glaube der Kirche ist etwas sehr Hilfreiches und Biblisches. Meiner Meinung nach und wie wir auch aus Apostelgeschichte 2 herauslesen, sollte der Glaube jedoch auch in Verbindung mit enger freundschaftlicher Jüngerschaft, die zu einem mündigen und selbstwachsenden Christen führen, ausgelebt werden.

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Gastbeiträge

Der Jesusnachfolger aus Teheran

Yones ist im Iran, in einer islamischen Kultur aufgewachsen und wurde von Klein an im Islam unterrichtet. Er berichtet, dass er aber schon immer Mühe hatte mit dem Islam und all seinen Gesetzen. «Wieso müssen alle Frauen ihre Haare bedecken, obwohl viele das nicht wollen?» Solche und ähnliche Fragen hat sich Yones schon immer gestellt. Frauen, die ihre Haare nicht richtig bedecken, werden auf öffentlichen Plätzen ermahnt und wenn sie sich nicht an die Regeln halten wollen, werden sie bestraft. Yones hat eine 11-jährige Tochter, die in eine Mädchenschule geht. Sogar sie muss bereits ein Kopftuch tragen. Sie versteht es nicht und möchte dies auch nicht. Yones’ Gottesbild war geprägt von Strafen und Gesetzen. Wenn es Gott geben würde und er die Menschen liebt, kann er doch nicht so sein, wie dies im Islam gelehrt wird! Davon war Yones überzeugt. Es war für ihn auch sehr problematisch, dass Männer so viel mehr Wert haben als Frauen. Gerade weil er verheiratet ist und eine Tochter hat, ist ihm dies noch viel stärker bewusst geworden.

Bis vor 40 Jahren herrschte im Iran viel Freiheit. Kirchen und Moscheen standen in derselben Strasse und es war friedlich. Bis dann die Islamische Revolution alles veränderte und die Menschen ihrer Freiheit beraubte.

Yones glaubte an Gott, war aber überzeugt, dass Gott es nicht nötig hat, den Menschen hunderte von Gesetzen zu geben. Die neue Generation sieht die Sache ähnlich wie Yones. Sie stellen Fragen und wollen sich nicht einfach blind unterordnen.

Auch Yones hatte viele Fragen über Gott und seine Religion. Die religiösen Schriftgelehrten, die Imame, haben ihn ermahnt und verboten ihm, kritische Fragen über Gott und all die seiner Meinung nach unnötigen Gesetzen zu stellen. Sie meinten, Gott dürfe man nicht kennenlernen und auch seinen Wille dürften Menschen nicht kennen. «Mach deine Aufgaben richtig. Wenn du dann irgendwann stirbst, wird Allah entscheiden, wohin du gehen wirst». Im islamischen Glauben gibt es keine Heilsgewissheit. «Inshallah» ist ein Ausdruck, welchen Muslime sehr oft verwenden. Es bedeutet soviel wie «Wenn Gott will». Oft wird «Inshallah» auch als Ausrede benutzt, wenn man etwas nicht tun will.

Das tägliche Gebet ist ein wichtiger Bestandteil der Gesetze, die ein guter Muslim einhalten muss. Männer dürfen Frauen zur Begrüssung nicht die Hand reichen. Wer sich durch irgendetwas unrein macht muss ganz verschiedene Rituale durchführen, um wieder rein zu werden und vor Allah zu kommen.

Aufgrund seiner Zweifel und dem Gottesbild, welches für Yones überhaupt nicht stimmte, wollte er nichts mehr von Gott wissen. Der Islam sei ein «Business», meint Yones im Gespräch, und es gehe den religiösen Führern nur um Macht.

Durch seinen Cousin hat Yones einen Pastor kennengelernt. Erst wusste er allerdings nicht, dass er Pastor war, sondern bemerkte lediglich dessen Anliegen, für Yones da zu sein und ihm aus seiner Depression zu helfen. Der Pastor sagte ihm «Ich bin zwar kein Arzt, aber ich kenne jemanden, der dich heilen und dir ein neues Leben geben kann». Für Yones, welcher aus einer sogenannten Schamkultur kommt, war es schwierig, «Nein» zu sagen, und so liess er sich auf den Pastor ein. Dieser gab ihm zwei kleine Bücher (Matthäus und Lukasevangelium), welches Yones erst nicht lesen wollte. Er fragte immer wieder nach, ob er etwas gelesen hatte. Yones wollte dem Pastor gefallen, aber wollte das Gelesene nicht an sich heranlassen.

Seine erste Begegnung mit Jesus hatte er, als er in der Bergpredigt zu lesen begann. Er verstand erstmals, dass die sündigen Menschen durch Jesus zu Gott kommen konnten. So begann er, dem Pastor alle seine Fragen zu stellen. Dieser versuchte, seine Fragen so gut wie möglich zu beantworten. Seine Zweifel wurden erstmals ernstgenommen.

Yones wurde Teil einer Bibelgruppe, bevor er sein Leben Jesus gab. Der Kontakt mit den Gläubigen hat ihm sehr geholfen, aus der Depression zu kommen und wieder aufzustehen. Zweimal pro Woche trafen sie sich, um zusammen zu beten. Er merkte, dass er einen Retter brauchte, da er sich seiner Sünde bewusst war und sich selber nicht retten konnte.

Weil er Teil dieser Gruppe war, wurde es zu gefährlich für Yones, im Iran zu bleiben. Deshalb musste er fliehen und kam in die Schweiz. Hier angekommen, nahm er Kontakt auf mit einer Gemeinde in Stans. Sie merkten, dass er sehr offen war und viele Fragen hatten und starteten mit ihm einen persischen Hauskreis. Nach einer Weile hat Yones dort sein Leben ganz Jesus gegeben.

Die grösste Auswirkung, die Jesus in seinem Leben hat, ist die Hoffnung. Die einzige Hoffnung, die Yones bisher hatte, war seine Tochter. Ausser ihr hatte er keinen Lebenssinn, er hatte keine Motivation zum Leben. Jesus holte Yones ganz aus seiner Depression heraus und heilte sein Herz.

Yones’ muslimische Freunde, wissen alle, dass er ein Jesusnachfolger ist. Sie haben grossen Respekt vor ihm. Beim letzten Ramadan wurde Yones zum Essen eingeladen. Vor dem Essen baten die Muslime ihn, zu beten, weil er besser beten könne als sie. Oft spricht er mit ihnen über seine Geschichte, welche sehr viel Kraft hat. Er erzählt, dass sie ihn beobachten und daher neugierig werden. Wer ihm Fragen stellt, bekommt Antworten von Yones. Einige seiner Freunde haben sich unterdessen für ein Leben mit Jesus entschieden. Yones ist es sehr wichtig, authentisch zu leben.

Um mit Muslimen ins Gespräch zu kommen, ist das Zuhören von grosser Wichtigkeit. Bevor wir ihnen von Jesus erzählen können, muss Vertrauen aufgebaut werden. Wir müssen ihnen zeigen, dass sie wertvoll sind für Gott.

«Meine Identität wurde verändert, weil ich verstanden habe, dass ich trotz meinen Fehlern für Gott wertvoll bin».

Yones leitet unterdessen viele Jüngerschaftsgruppen unter persischsprachigen Christen in der Schweiz. Dabei ist es ihm sehr wichtig, die Leute zu stärken und neue Leiter auszubilden.

Yones absolviert momentan das ISTL mit Rebi, welche diesen Blogbeitrag geschrieben hat.

Yones ist für mich ein echtes Vorbild. Jesus ist ihm so viel wert, dass er dafür sein Land, seine Familie, seine Frau und seine Tochter zurückgelassen hat. Wieviel wärst du bereit, für Jesus aufzugeben?