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Teil 2: Dietrich Bonhoeffer – Glaubensverständnis in Krisenzeiten

Im zweiten Teil nehme ich euch mit in das Gnadenverständnis von Dietrich Bonhoeffer hinein, das ihn durch die vielen weltgeschichtlichen Krisen prägte. Darin wird erklärt, warum sich Bonhoeffer dem Widerstand anschloss. Dadurch kann ein besseres Verständnis seines Glaubensverständnisses, seiner Ethik und Rechtfertigung erlangt werden, wie er seinen Glauben mit dem Widerstand vereinbaren konnte.

Zunächst ist zu bemerken, dass Bonhoeffer die biblischen Texte nicht nur als historisch ansah, sondern als Träger der Offenbarung. „Der Kern des christlichen Glaubens ist gar keine Religion, sondern die Person Jesus Christus […] der lebendige Gott selbst“ (Metaxas 2014:114).

In seinem Buch „Nachfolge“ beschreibt Bonhoeffer, als Glaubensverständnis, die Unterschiede zwischen „billiger“ und „teuren“ Gnade. Was aber meinte Bonhoeffer mit „billiger“ Gnade? Er sieht darin den Todfeind der Kirche: „Billige Gnade heisst Gnade als Schleuderware […] ohne Preis, ohne Kosten […] Gnade als Lehre, als Prinzip, als System“ (Gremmels und Huber 3. Band 2020:109-111). Billige Gnade war für ihn eine Gnade ohne die Nachfolge Jesu. Was machte denn aber die Gnade „teuer“? „Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet, Gnade ist sie, weil sie ihm so das Leben erst schenkt“ (:111). Gott selbst war es teuer, da es Gott das Leben seines eigenen Sohnes, Jesus Christus, gekostet hatte, als er Mensch wurde. Jesus sagte seinen künftigen Jüngern: „Folgt mir nach“ (Mk 1,17) und sie folgten Ihm nach. Wenn Jesus uns ruft, dann ist das nicht aus gesetzlichem Gehorsam, sondern aus dem Gehorsam des Glaubens heraus. Für Bonhoeffer ist der Ausgangspunkt für die Nachfolge, das Gebet und das Sündenbekenntnis mit der anschliessenden Busse. Wir müssen einsehen, dass wir schwach sind, in dieser Schwachheit wird die Kraft Gottes in unserem leben zunehmen können. Wir als Gemeinde sollen aus der Sicht Bonhoeffers aus der eigenen Stagnation heraus treten: „Wir müssen auch wieder in die freie Luft der geistigen Auseinandersetzung mit der Welt. Wir müssen es auch riskieren, anfechtbare Dinge zu sagen, wenn dadurch nur lebenswichtige Fragen aufgeführt werden“ (Gremmels und Huber 5. Band 2020:175)

Bonhoeffer verstand die christliche Ethik als jenseits von der Unterscheidung zwischen „Gut“ und „Böse“. (Gremmels und Huber 1. Band 2020:109). Es geht vielmehr darum den eigenen Willen jeden Tag aufs Neue in den Hintergrund treten zu lassen, damit der göttliche Wille jeden Tag zunehmen kann.
Bonhoeffer sieht in der Ethik noch vertiefter die „Ethik der Verantwortung“. Er fragt sich und diejenigen die seine Zeilen lesen, ob wir mit mit der Wirklichkeit des Offenbarungswortes Gottes oder mit den sogenannten Realitäten des Lebens, mit der göttlichen Gnade oder mit den irdischen Unvollkommenheiten, mit der Auferstehung oder mit dem Tod rechnen wollen. Für Bonhoeffer gibt es keinen Rückzugsort für Nachfolger Christi und deren Gemeinden. „Die Kirche kann ihren eigenen Raum […] nur dadurch verteidigen, daß sie nicht um ihn, sondern um das Heil der Welt kämpft. Andernfalls wird die Kirche zur ‚Religionsgesellschaft‘ […] und damit aufgehört […] Kirche Gottes in der Welt zu sein“ (Gremmels und Huber, 4. Band, 2020:80).
Durch diese „Ethik der Verantwortung“ geht Bonhoeffer weiter auf das natürliche, verantwortliche Leben über. So könne in diesem natürlichen, verantwortlichen Leben das absolut Gute das Schlechteste überhaupt sein, wenn es nicht zu Jesus hinführt oder von Jesus her entstammt. In unserer begrenzten Verantwortung sollen wir unsere Verantwortung wahrnehmen. Dieses Leben gründet zuletzt auf der freien Verantwortung gegenüber Gott.
Für Bonhoeffer war klar, wenn wir keinen echten Frieden mit jedermann haben würden, was von Jesus zu uns gepredigt wurde, dann könnten wir den Völkern diesen Frieden auch nicht predigen. Diesen Frieden sollten wir aus der Liebe heraus verkündigen und nicht aus Eifer um die Sicherheit oder gar um ein politisches Ziel zu erreichen.

„Man baut ihm wohl einen Tempel, aber man wohnt in seinem eigenen Haus […] Es reicht nicht, wenn wir Christus ‚nur eine Provinz unseres geistigen Lebens einräumen‘ es geht um alles oder nichts“ (Metaxas 2014:113). Für Bonhoeffer ging es in seiner Rechtfertigung darum, dass wir, gerade in Krisenzeiten standhaft in Jesus Christus bleiben sollten, durch Einfältigkeit und Klugheit. „Einfältig ist, wer in der Verkehrung, Verwirrung und Verdrehung aller Begriffe allein die schlichte Wahrheit Gottes im Auge behält“ (Gremmels und Huber, 4. Band, 2020:85).
„Tue deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind“ (Sprüche 31,8) Der Prediger darf bei seiner Verkündigung des Evangeliums keine Unwissenheit haben, dass es um Jesus Christus geht und solle auch von der Gemeinde weiter verküdnigt und gelebt werden. „Wer in Verantwortung Schuld auf sich nimmt […] der rechnet sich selbst und keinem andern diese Schuld zu und steht für sie ein“ (Gremmels und Huber, 1. Band, 2020:162).
Bonhoeffer wollte, dass wir Gläubigen ohne Methode oder zunächst ein Heiliger zu werden, sondern allein durch den Glauben Jesus Christus ähnlich werden. In diesen Krisenzeiten würden wir, egal ob wir uns für das eine oder andere entscheiden, uns immer mit den Gesetzen der Welt beschmutzen. Im Endefekkt geht es aber darum, dass Sein Wille geschehe und nicht der meinige. „In der ethischen Entscheidungsfindung werden wir in die tiefste Einsamkeit geführt, die Einsamkeit in der ein Mensch vor dem lebendigen Gott steht. Da kann uns keiner beistehen, keiner etwas abnehmen“ (Gremmels und Huber, 1. Band, 2020:112).

Für Bonhoeffer, so Gremmels und Huber (2020:165) in ihrem ersten Band, schien die Rechtfertigung des Widerstands von Bonhoeffer in dieser krisenhaften Zeit in folgendem Argument zu bestehen: „Solange die Welt Gott los ist [sic!] werden Kriege sein […] wir sind gerufen Zeugen des Friedens zu sein“ (:165).

Meine Frage an euch ist, wie seht ihr, im Gegensatz zu Bonhoeffer euer Glaubensverständnis, eure Ethik und eure Rechtfertigung?

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