Ursula Graf – Diakonin, Reformierte Blindenseelsorge


Mein erster Public-Worship war auf dem Bahnhof Uster. eine Freundin erzählte mir davon. Da ich mir nichts konkretes vorstellen konnte, schrieb ich Marco eine Mail mit der Frage: «Ist das nur zum Zuhören oder kann man auch mitsingen? Ihr seid so quasi vor meinem Büro.» Die Ref. Blindenseelsorge befindet sich auf dem Busbahnhof im zweiten Stock. Seine Antwort per Mail war: «Ja klar, komm, ich würde mich mega freuen und sing mit! Vielleicht haben wir noch kurz Zeit zum hallo sagen (wir kennen uns seit vielen Jahren, hatten aber kaum Kontakt) und nachher sind wir in der Chrischona-Gemeinde. Wenn du Zeit hast, komm doch mit.» Da ich Lobpreis schon lange auf dem Herzen habe, freute ich mich riesig und war gespannt, welche Lieder wir singen würden.
Als ich um viertel vor sechs Richtung Bahnhof spazierte und mir überlegte, wo das stattfindet, fragte ich mich, wo hinstehen würde und steuerte auf diesen Platz zu. Bingo: Genau da fand es statt, mein erster Public-Worship. Ich war Zuhause angekommen – nicht nur geografisch vor meinem Büro, sondern innerlich und dies noch, bevor jemand mich ansprach. Was aus dem wird, wusste ich ja noch nicht! Aber mein Herz wusste, hier bin ich angekommen und Zuhause!!! Es war Rebi, die mich ansprach und schlussendlich fragte, ob ich mit in die Chrischona käme. Faib übernahm ganz selbstverständlich meine Begleitung, was für mich als Blinde alles andere als selbstverständlich ist.
In der Chrischona berührte mich der Lobpreis sehr. ich dachte, es wäre weil ich das erste Mal dabei bin. Es war mehr! Jesu Gegenwart war so stark!!! Ich staunte nur! Jemand hatte ein Bild, das mich begleitet: Us-t-er hat im Ortsnamen ein Kreuz in der Mitte, ein Symbol für Jesus Christus. Jemand anders sah, dass die Grenzen von Uster weiter in die Ferne rücken, nicht die geografischen, aber dass von Uster viel ausgehen wird. Es seien wie Wände, die weiten Raum einnehmen, weil sie sich verschieben und ausweiten.
Erfüllt von all dem und ganz vielen weiteren eindrücken, war ich bisher auf zehn Bahnhöfen dabei. Der David Dienst ist meine neue innere Heimat geworden, denn wir haben alle den Lobpreis auf dem Herzen, wollen Gott mit all unseren Gaben dienen und können dies auch. Wir sind bunt zusammengewürfelt und ergänzen uns mit unseren Gaben sehr stark. Wir sind eine Einheit und nehmen Land ein. Es wird keine religiöse Gemeinde vorausgesetzt mit ihren eigenen Kulturen, wir haben Jesus auf dem Herzen und sind über alle Denominationsgrenzen verbunden und im Einsatz. Mir ist Nachfolge wichtig, zusammen mit anderen Gott anzubeten, unabhängig von Kirchenmauern oder Gebäuden, ohne Schublade, ein zu wirken! Der Lobpreis ist stark, bewegt, rüttelt auf, vereint, heilt und bewirkt ganz vieles, was ich in diesen wenigen Sätzen nicht alles schreiben kann. Ich habe beim David Dienst Geschwister gefunden, die wie ich, nicht in einer Schublade Zuhause sind, sondern sich in verschiedenen Gemeinden und Denomination bewegen können, aber eine klare Botschaft vermitteln wollen und eine echte Nachfolge leben!
Ursula Graf (Diakonin – Reformierte Blindenseelsorge)


Ursula liest in Braille die Liedtexte

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